Hochzeit

Die Trauung theologisch und biblisch betracht

Ein Paar beim Ringetausch

Biblisch betrachtet ist die evangelische Trauung ein Gottesdienst anlässlich einer staatlichen Eheschließung.

Bild: Photocase / suze

„Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau!“ Das kann ein evangelischer Pfarrer oder eine evangelische Pfarrerin nur im Film sagen.

Denn nach evangelischem Verständnis wird die Ehe vor der Kirchentür geschlossen. Sie ist ein „äußerlich, weltlich Ding“ (Martin Luther). So hält es die Evangelische Kirche noch heute: Bedingung für eine kirchliche Trauung ist die vorherige Eheschließung auf dem Standesamt. Die evangelische Trauung ist also ein Gottesdienst anlässlich einer staatlichen Eheschließung.

Die evangelische Trauung: Bitte um Gottes Segen

Hier besteht ein wesentlicher Unterschied zum Trauverständnis in der katholischen Kirche. Denn während sich nach katholischen Verständnis das Brautpaar in der kirchlichen Trauung das Sakrament der Ehe in Beisein des Priesters gegenseitig spendet, also die Trauung erst hier vor Gott wirksam vollzogen wird, ist nach evangelischen Verständnis die Trauung bereits auf dem Standesamt vollzogen worden. Es ist also nur konsequent, wenn der katholische Priester das trauwillige Paar mit „liebes Brautpaar“ anspricht, während ein evangelischer Pfarrer es mit „liebes Ehepaar“ anredet.

Zitat

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn - und er schuf ihn als Mann und Frau. Und Gott segnete sie."

1. Mose 1,27f

Der Gottesdienst anlässlich dieser Eheschließung hat dennoch eine ganz wichtige Funktion: Das Paar bittet Gott um seinen Segen für seine Ehe und für das Zusammenleben. Gott soll das Fundament ihrer Partnerschaft sein. Die Ehepartner versprechen sich vor Gott und der versammelten Gemeinde die lebenslange Liebe, Fürsorge und Treue „mit Gottes Hilfe“ und machen damit Ihre Beziehung öffentlich. Und im Gebet tritt die versammelte Gemeinde vor Gott für dieses Paar in der Fürbitte ein.

Mit der Änderung des Personenstandsgesetzes zum ersten Januar 2009 ist in Deutschland eine Trauung ohne den standesamtlichen Nachweis einer vorherigen Eheschließung gesetzlich möglich. Dennoch bleibt in der Evangelischen Kirche in Bayern eine standesamtliche Trauung weiterhin Voraussetzung für die Hochzeit in der Kirche.

Bis dass der Tod euch scheidet

Sowohl die Katholische als auch die Evangelische Kirche sehen die Ehe prinzipiell als unauflösbar an. Die Evangelische Kirche sieht in der verbindlichen Partnerschaft einen Schutzraum, der beiden Partnern und später auch ihren Kindern Sicherheit und Freiheit gewährt. Im Gegensatz zu nicht-ehelichen Verbindungen bedenkt die Ehe die Dauer der Beziehung. Das Wort "Ehe" ist ja mit "Ewigkeit" verwandt.

Die Dauerhaftigkeit entlastet von der ständigen Reflexion über den jeweiligen Zustand der Beziehung und ermöglicht Gelassenheit. Gleichzeitig ruft sie zur Verantwortung für den Partner, die Partnerin „in guten, wie in schlechten Tagen“, auch in der Zukunft, die jetzt noch unbekannt ist.

Und wenn es schief geht …?

Wenn die Evangelischen Kirche trotzdem in begründeten Fällen eine Wiederverheiratung Geschiedener erlaubt, dann, weil sie auch die gescheiterten Beziehungen von Gottes Liebe umfangen weiß. Ein Kernstück des evangelischen Glaubens ist die Lehre von der Rechtfertigung. Sie besagt, dass der Mensch mit all seinen Schwächen und auch in allem, was ihm misslingt, von Gott angenommen und geliebt ist.

So heißt die Evangelische Kirche Scheidungen nicht gut, sie sieht aber hinter jeder gescheiterten Ehe die persönliche Not der einzelnen Menschen und ihre bedingungslose Annahme durch Gott. Scheidung ist ein letzter Ausweg, wenn das Vertrauen zwischen zwei Menschen unwiederbringlich zerstört ist. Nach evangelischem Verständnis sollte kein Mensch auf sein Versagen und Verschulden festgelegt werden. Deshalb - und weil sie selbst von der Vergebung Jesu Christi lebt - wird die Evangelische Kirche nicht unversöhnlich sein und Geschiedenen eine zweite Chance nicht verweigern.

Zitat

Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei. Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seiner Frau anhängen und sie werden ein Fleisch sein", schreibt der Schöpfungsbericht im Alten Testament."

1.Mose 2,24

Von Anfang an sieht die Bibel den Menschen als ein Wesen, das nur in Gemeinschaft mit anderen existieren kann. So wird schon in der Schöpfung das Zusammenleben von Mann und Frau begründet: "Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei. Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seiner Frau anhängen und sie werden ein Fleisch sein", schreibt der Schöpfungsbericht im Alten Testament (1.Mose 2,24). Und das Urteil, das Gott zu diesem Zusammensein von Mann und Frau spricht, lautet: "Und siehe, es war sehr gut".

Wenig später heißt es: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn - und er schuf ihn als Mann und Frau. Und Gott segnete sie.“ (1. Mose 1,27f). Das bedeutet: Wir sind Bilder Gottes, Männer wie Frauen, aber gerade auch in der Gemeinschaft, in der Liebe sind wir Gott ähnlich. Nach christlichem Verständnis ist die Liebe zwischen zwei Menschen ein Geschenk Gottes, der diese Menschen geschaffen hat. In einer lebenslangen und respektvollen Beziehung können sich Gottes Liebe, seine Wertschätzung des Menschen und seine Treue widerspiegeln.

Auch das Neue Testament betont, dass Mann und Frau durch jene Liebe miteinander verbunden sind, die in der Liebe Gottes gründet: "Ihr seid zur Freiheit berufen, ... durch die Liebe diene einer dem anderen" (Galater 5,13).

Familiengründung

Viele Ehepaare verbinden mit der Trauung den tiefen Wunsch nach einer Familie und eigenen Kindern. Für andere Paare stehen zunächst die Partnerschaft und das Leben zu zweit im Vordergrund. In der Kirchengeschichte wurden Liebe und Sexualität leider sehr oft als reines Mittel zur Zeugung von Kindern gesehen. "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde! (1. Mose 1,28)" wurde zum Auftrag für jede gute christliche Ehe.

Daraus entwickelte sich eine jahrhundertelange leib- und sexualitätsfeindliche Haltung der Kirchen. Nach evangelischem Verständnis ist die Sexualität heute nicht an den Zeugungswillen gebunden. Sie wird als Geschenk Gottes und als Akt der gegenseitigen Hingabe verstanden, der - selbstverständlich - genossen werden darf und in gegenseitiger Achtung geschehen muss. Umso schöner, wenn dann ganz frei und ungezwungen aus dieser Beziehung ein Kind entsteht - als Wunder und Geschenk der Liebe.


11.03.2014 / Anne Lüters
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