Reis und Blumen

Geworfene Wünsche

Brautpaar

Regen aus Reis: Die Getreidekörner sind ein Fruchtbarkeitssymbol

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Wenn das Paar nach dem Gottesdienst aus der Kirche tritt, weiß es nicht, was es erwartet. Meist wird es jedoch fröhlich beworfen - es macht einen Unterschied, ob mit Blüten oder mit Reis.

Wenn sich das Kirchenportal öffnet, sind die Gäste dran. Sie begrüßen das frisch getraute Ehepaar mit Spalier oder Musik, mit Aufgaben, die es zu erfüllen hat, und vielem mehr. Oft ergießt sich über das Paar ein Reisregen, der ihnen Fruchtbarkeit und viele Kinder schenken soll.

Warum aber Reis?

Es ist wahrscheinlich, dass die Verwendung von Reis als Fruchtbarkeitssymbol aus dem östlichen Kulturraum stammt, in dem Reis als Hauptnahrungsmittel fast als heilig gilt. So erklärt es sich auch, dass in Deutschland früher Getreidekörner geworfen wurden. Indem man das Brautpaar mit diesem Grundnahrungsmittel überschüttete, wünschte man ihm zweierlei: Dass sie Früchte bringen und dass ihnen nie die Nahrung ausgehen sollte.

Heute wird angesichts des Hungers in der Welt das verschwenderische Werfen von Lebensmitteln kritisch gesehen. Unbedenklich dagegen ist das Streuen von Blütenblättern, das im Grunde die gleichen Wünsche ausdrücken soll wie der Reis: Das Ehepaar soll blühen und fruchtbar sein. Streuen Mädchen und Jungen die Blüten vor das Paar wird das noch deutlicher: Diese „Blumenkinder“ sollen den Eheleuten Kindersegen bringen.

Der Verzicht auf Reis hat noch einen ganz anderen Nutzen: Da wenige Kirchengemeinden davon begeistert sind, die kleinen Körnchen mühevoll zwischen Steinplatten und Kopfsteinpflaster wieder herauszulösen, erspart eine reisfreie Trauung unnötige Unstimmigkeiten. Generell sollte jegliches Wurfvorhaben – ob nun Blumen oder Reis – zuvor mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin und dem Mesner abgesprochen sein.


27.05.2014 / Anne Lüters
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