Hochzeit

Zur Geschichte der Trauung

Gerahmtes Bild eines Hochzeitspärchens

Verbunden mit einer langen Geschichte: Die Trauung ist das Ergebnis von jahrhundertelanger Entwicklung in Christentum und Gesellschaft.

Bild: Photocase / boing

Die Trauung wie wir sie heute kennen, gab es nicht von Anfang an. Sie ist das Ergebnis von jahrhundertelanger Entwicklung in Christentum und Gesellschaft.

Ursprünglich war die Trauung im Rahmen der Familie angesiedelt. Nach dem römischen Grundsatz „consensus facit nuptias“, bei dem ein formloser Konsens der Eheleute genügte, wurden Ehen geschlossen. Allerdings ist wohl gelegentlich schon im frühen Christentum die Erlaubnis des Bischofs dafür eingeholt und die Eheschließung mit dem Abendmahl gefeiert worden.

Weitere Bräuche schlossen sich nach und nach an: So wurde mancherorts die Braut gesegnet und verhüllt. Allerdings scheint es lange Zeit keine einheitliche Liturgie gegeben zu haben. Noch 866 betont Papst Nikolaus I, eine Eheschließung sei ohne all das möglich.

Hochzeitsritus immer stärker verkirchlicht

Mit der Verschmelzung mit germanischen Traubräuchen, in denen der Sippe eine überragende Bedeutung zukam und in denen die Vormundschaft über die Frau vom Brautvater an den Bräutigam überging, wurde der Hochzeitsritus immer stärker verkirchlicht. An die Stelle des Brautvaters, dem im Germanischen eine herausgehobene Bedeutung zukam, trat nun der Priester, der die Braut dem Bräutigam übergab.

Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Trauung überwiegend in der Kirche von einem Priester geschlossen. Erst 1184 wurde die Ehe zum Sakrament erklärt. Dennoch war weiterhin die Trauung auch ohne Mitwirkung eines Priesters rechtlich gültig.

Ein "weltlich Ding", auch für Nichtchristen gültig

Während es das Anliegen der Katholischen Kirche war, die so genannte Laientrauung ohne kirchlichen Segen zu verbieten (im Konzil von Trient 1563 wurde die Trauung ohne Anwesenheit des zuständigen Priesters als unwirksam erklärt) und auch die protestantischen Kirchen auf der Pflicht zur kirchlichen Eheschließung bestanden (beispielsweise das preußische Landrecht von 1794), gab es theologisch doch einen gravierenden Unterschied.

Martin Luther, der ja die Trauung nicht zu den Sakramenten zählte, betonte zwar die besondere geistliche Bedeutung der Ehe, aber er sah sie doch als „weltlich Ding“, also auch für Nichtchristen gültig. Darum war es ihm wichtig, dass sie dem staatlichen Recht unterworfen blieb.

Zivilehe gesetzlich vorgeschrieben

Luther hat deshalb vorgeschlagen, Mann und Frau vor der Kirche nach ihrem Willen zur Ehe zu befragen und in der Kirche um Gottes Segen zu bitten. Nach der französischen Revolution wurde in Deutschland die Zivilehe gesetzlich vorgeschrieben.

Die evangelische Kirche konnte dies leichter akzeptieren als die katholische. Sie feiert seitdem die Trauung als „Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung“ und setzt die standesamtliche Trauung voraus.


11.03.2014 / Anne Lüters
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