Wertvolle Texte zur Ehe

Für den Hochzeitstag und darüber hinaus

"Lass uns leben": Song von Andi Weiss als Video

Viele gute Gedanken begleiten bei der Hochzeit das junge Paar. Schön, wenn die Worte spontan und von Herzen kommen. Es ist aber auch keine Schande, sich bei Dichtern und Denkern Hilfe zu holen.

Über die Ehe und gemeinsames Leben, über Verantwortung füreinander und für andere, haben sich durch die Jahrhunderte hindurch christliche und nicht-christliche Autoren ihre Gedanken gemacht. Dichter und Liedermacher – wie hier Andi Weiss - haben mit poetischen Worten die Liebe beschrieben.

Für biblische Autoren wurzelt die menschliche Liebe in der Liebe Gottes. Wer, so ihre Botschaft, Gottes Liebe empfängt und erfährt, auf dessen Leben strahlt das aus – in seine Partnerschaft, aber auch in den liebevollen Umgang mit anderen Menschen. Liebe, die sich von Gott getragen weiß, kann uneigennützig sein, den anderen stehen lassen und ihm Freiheit geben.

Biblische Texte für das Zusammenleben

Aus dem Prediger Salomo

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Das Hohe Lied der Liebe

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Kor 13,1-13)

Aus dem 1. Johannesbrief

Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1 Joh 4, 7-9.16-21)

Aus dem Hohelied

Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Jünglingen. Unter seinem Schatten zu sitzen begehre ich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß. Er führt mich in den Weinkeller, und die Liebe ist sein Zeichen über mir. Er erquickt mich mit Traubenkuchen und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe. Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzt mich.
Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,bei den Gazellen oder bei den Hinden auf dem Felde, dass ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt.

Da ist die Stimme meines Freundes! Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel. Mein Freund gleicht einer Gazelle oder einem jungen Hirsch. Siehe, er steht hinter unsrer Wand und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter. Mein Freund antwortet und spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her! Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei und dahin.

Die Blumen sind aufgegangen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, und die Reben duften mit ihren Blüten. Steh auf, meine Freundin, und komm, meine Schöne, komm her! Meine Taube in den Felsklüften, im Versteck der Felswand, zeige mir deine Gestalt, lass mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist süß, und deine Gestalt ist lieblich. Hld. 2,3 – 14

Texte, Gedichte, Lieder

Wie die biblischen Autoren damals so finden auch heute Menschen Worte für die großartige Erfahrung der Liebe. Gerade bei einer Hochzeit fallen solche Worte auf fruchtbaren Boden. Wir möchten, dass das gemeinsame Leben des Brautpaars gelingt und sehen auf unsere eigenen Beziehungen. Es gibt eine Vielzahl von Geschichten und Gedichten, beispielsweise von Erich Fried („Was es ist“), Bertold Brecht („Morgens und abends zu lesen“) und Reiner Kunze(„Rudern zwei“), die gerne auch bei Hochzeitsfesten verlesen werden.

Da viele davon urheberrechtlich geschützt sind, hier nur eine kleine Auswahl.

Ich will dich lieben ohne dich einzuengen

Ich will ...
... Dich lieben, ohne Dich einzuengen;
... Dich wertschätzen, ohne Dich zu bewerten;
... Dich ernst nehmen, ohne Dich auf etwas festzulegen;
... zu Dir kommen, ohne mich Dir aufzudrängen;
... Dich einladen, ohne Forderungen an Dich zu stellen;
... Dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen;
... von Dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben;
... Dir meine Gefühle mitteilen, ohne Dich für sie verantwortlich zu machen;
... Dich informieren, ohne Dich zu belehren;
... Dir helfen, ohne Dich klein zu machen;
... mich um Dich kümmern, ohne Dich verändern zu wollen;
... mich an Dir zu freuen, so wie Du bist.

Quelle unbekannt

Entdecken, dass man zusammengehört

In dieser Stunde fanden wir uns. Man geht so lange nebeneinander her, jeder in seinem Schweigen befangen, oder man wechselt Worte, denen man nichts mitgibt. Da kommt die Stunde der Gefahr, man sucht Schulterfühlung und entdeckt, dass man zusammengehört. Diese Entdeckung anderer bewusster Wesenheiten weitet den Menschen. Man sieht sich an mit lächelndem Verstehen. Es ist einem zumute wie dem befreiten Gefangenen, der staunend die Unendlichkeit des Meeres erkennt.

Quelle: Antoine de Saint-Exupéry, Terre des Hommes (Wind, Sand und Sterne)

Selig die Zärtlichen

Selig, die aufmerksam sind und dem anderen zuhören;
Sie werden immer mehr zueinander gehören.
Selig, die eigene Schwächen akzeptieren und die des anderen zu verstehen suchen;
Sie werden Angst abbauen und Vertrauen gewinnen.
Selig, die über sich selbst lachen können;
Sie werden frei und gelöst mit anderen leben.
Selig, die sich immer mehr einfühlen in den anderen;
Ihre Liebe geht unter die Haut.
Selig, die sich öffnen für die Eigenarten des anderen;
Sie werden überrascht eine neue Welt wahrnehmen.
Selig, die sich trotz aller Enttäuschungen treu blieben;
Gott hält zu ihnen und schaut sie freundlich an.
Selig, die sich mit all ihren Sinnen liebkosen;
Im Reigen der Sinne ist Gott mit im Spiel.
Selig, die sich hingeben, um den Partner glücklich zu machen;
Sie werden dankbar seine Liebe spüren.
Gott liebt die Zärtlichen.
Er nimmt sie in Schutz wie ein guter Freund.

Quelle unbekannt

Khalil Gibran: Lasst Raum zwischen Euch

Vereint seid ihr geboren, und vereint sollt ihr bleiben immerdar.
Ihr bleibt vereint, wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Wahrlich, ihr bleibt vereint selbst im Schweigen von Gottes Gedenken.

Doch lasset Raum zwischen eurem Beinandersein, und lasset Wind und Himmel tanzen zwischen euch.
Liebet einander, doch macht die Liebe nicht zur Fessel:
Schaffet eher daraus ein webendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen.
Füllet einander den Kelch, doch trinket nicht aus einem Kelche.
Gebet einander von eurem Brote, doch esset nicht vom gleichen Laibe.
Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich, doch lasset jeden von euch allein sein.
Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind, erbeben sie auch von derselben Musik.
Gebet einander eure Herzen, doch nicht in des andern Verwahr.
Denn nur die Hand des Lebens vermag eure Herzen zu fassen.

Und stehet beieinander, doch nicht zu nahe beieinander:
Denn die Säulen des Tempels stehen einzeln.
Und Eichbaum und Zypresse wachsen nicht im gegenseitigen Schatten.

Lebensmenschen

Als ich geheiratet habe, fand meine Frau schön, dass ich so schlank und durchtrainiert war.

Beim Klettern in den Bergen sagt sie mir: Ich liebe dich, du bist so athletisch.

Dann habe ich einen Bürojob angetreten, viel zu Hause rumgelegen, zugenommen. Ich bekomme einen Bierbauch. Keine großen Muckis mehr.

Ich mag deinen Bauch, sagt meine Frau, ich liebe dich so. Sie strahlt mich an.

Mit Mitte vierzig packt mich dieses Midlifedingsda. Ich mache wieder Sport, trainiere mir die Pfunde ab und die Muskeln wieder an.

Boah, du bist vielleicht ein Muskelmann, sagt meine Frau, ich liebe dich so.

Ich denke nach, und dann weiß ich es: Meine Frau liebt mich, egal wie ich ausschaue. Sie vergibt mir immer auch meine Macken und Fehler. Sie liebt mich, wie ich bin. Sie liebt mich, wie Gott mich gemacht hat.

Das trägt auch über Streite hinweg, über schwierige Phasen. Dieses Wissen: Da ist jemand, der dich trotz allem bedingungslos liebt. Irgendwie himmlisch.

Ich möchte tanzen, den Eifelturm küssen, den Atlantik durchkraulen...

Welches Glück, den Lebensmenschen gefunden zu haben.

Felix Leibrock, Pfarrer, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerk München e.V.

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Und der kleine Prinz kam zum Fuchs zurück. „Adieu“ sagte er ... „Adieu“, sagte der Fuchs. „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“„Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken. „Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.“ „Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe...“, sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken. „Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen“, sagte der Fuchs. „Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich...“. „Ich bin für meine Rose verantwortlich ...“, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

Aus: Antoine de Saint-Exupery: „Der kleine Prinz“

Wie man die Menschen lieben soll

Rabbi Mosche Löb erzählte: Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er wie die anderen alle; aber als sein Herz von Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: „Sag, liebst du mich oder liebst du mich nicht?“ Jener antwortete: „Ich liebe dich sehr.“ Er aber sprach wieder: „Du sagst, ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatt, schwieg wieder wie vorher. Ich aber verstand: Das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen zu spüren und ihr Leid zu tragen.

Martin Buber

Liebeslied von Rainer Maria Rilke

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Rainer Maria Rilke

Segen für die Ehe

Das Licht der Sonne scheine auf euren Fenstersims.
Euer Herz sei voller Zuversicht,
daß nach jedem Gewitter ein Regenbogen am Himmel steht.
Der Tag sei Euch freundlich,
die Nacht euch wohlgesonnen.
Die starke Hand eines Freundes möge euch halten
und Gott möge euer Herz erfüllen mit Freude und glücklichem Sinn.

Irischer Segen


18.06.2014 / Anne Lüters