Hochzeit

Zum zweiten Mal heiraten

verschüttete Milch auf dem Küchentisch

Wenn Milch verschüttet wurde, das Paar dennoch wieder glaubhaft zusammengefunden hat, steht die Kirche der Wiederverheiratung nicht im Wege.

Bild: iStockPhoto / dwstinson87

In begründeten Fällen erlaubt die Evangelische Kirche eine Wiederverheiratung Geschiedener: weil sie auch die gescheiterten Beziehungen von Gottes Liebe umfangen weiß.

Ein Kernstück des evangelischen Glaubens ist die Lehre von der Rechtfertigung. Sie besagt, dass der Mensch mit all seinen Schwächen und auch in allem, was ihm misslingt, von Gott angenommen und geliebt ist.

Niemanden auf Versagen und Verschulden festlegen

So heißt die Evangelische Kirche Scheidungen nicht gut, sie sieht aber hinter jeder gescheiterten Ehe die persönliche Not der einzelnen Menschen und ihre bedingungslose Annahme durch Gott. Scheidung ist ein letzter Ausweg, wenn das Vertrauen zwischen zwei Menschen unwiederbringlich zerstört ist.

Nach evangelischem Verständnis sollte kein Mensch auf sein Versagen und Verschulden festgelegt werden. Deshalb - und weil sie selbst von der Vergebung Jesu Christi lebt - wird die Evangelische Kirche nicht unversöhnlich sein und Geschiedenen eine zweite Chance nicht verweigern.

Zitat

"Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei. Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seiner Frau anhängen und sie werden ein Fleisch sein"

Schöpfungsbericht, Altes Testament, 1. Mose 2,24

Von Anfang an sieht die Bibel den Menschen als ein Wesen, das nur in Gemeinschaft mit anderen existieren kann. So wird schon in der Schöpfung das Zusammenleben von Mann und Frau begründet: "Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei. Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seiner Frau anhängen und sie werden ein Fleisch sein", schreibt der Schöpfungsbericht im Alten Testament (1.Mose 2,24). Und das Urteil, das Gott zu diesem Zusammensein von Mann und Frau spricht, lautet: "Und siehe, es war sehr gut".

Wenig später heißt es: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn - und er schuf ihn als Mann und Frau. Und Gott segnete sie.“ (1. Mose 1,27f). Das bedeutet: Wir sind Bilder Gottes, Männer wie Frauen, aber gerade auch in der Gemeinschaft, in der Liebe sind wir Gott ähnlich.

„Durch die Liebe diene einer dem anderen“

Nach christlichem Verständnis ist die Liebe zwischen zwei Menschen ein Geschenk Gottes, der diese Menschen geschaffen hat. In einer lebenslangen und respektvollen Beziehung können sich Gottes Liebe, seine Wertschätzung des Menschen und seine Treue widerspiegeln.

Auch das Neue Testament betont, dass Mann und Frau durch jene Liebe miteinander verbunden sind, die in der Liebe Gottes gründet: "Ihr seid zur Freiheit berufen, ... durch die Liebe diene einer dem anderen" (Galater 5,13).


18.06.2014 / Anne Lüters
drucken